Angst im Film: Wie und Warum?

Das Empfinden von Angst während man einen Film sieht ist komplexer als es zunächst scheint. Dabei kann ein Status erreicht werden, in dem der Zuschauer körperlich und psychisch so reagiert, als wäre er der entsprechenden Situation tatsächlich ausgesetzt. Gleichzeitig geht man aber davon aus, dass sich alle Zuschauer jederzeit bewusst darüber sind, dass es sich bei dem Gesehenen nur um Fiktion handelt und sie nicht wirklich in Gefahr sind. Vivian Sobchack versucht dieses Phänomen mit dem Begriff des “cinesthic subject” (dt.: kinästhetisches Subjekt) zu erklären. Das kinästhetische Subjekt erlebt sich zur gleichen Zeit als distanzierter Beobachter der audiovisuellen Eindrücke des Films und als mit allen Sinnen in die Handlung involvierter Teilnehmer. Durch diese doppelte Wahrnehmung ist das Gehirn in der Lage zwischen echten und Als-ob-Wahrnehmungen zu unterscheiden, während sich die Als-ob-Wahrnehmungen dennoch real anfühlen. Nur eben ohne des Aspekt, dass sie tatsächlich real sind. Ganz schön kompliziert, oder?
Warum möchten sich so viele Menschen freiwillig und gutwillig der Angst aussetzen, indem sie beispielsweise Horrorfilme schauen? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, aber es gibt Erklärungsansätze. Grundsätzlich ermöglichen es Filme (und alle anderen Formen von Fiktion) dem Zuschauer, Bewusstseinszustände zu erfahren, die im realen Leben nur unter sehr gefährlichen oder gar unmöglichen Umständen zu schaffen wären. Für den Film spricht man hierbei von einer “Doppelten Fiktionalisierung”. Da wäre zum einen die abgefilmte Welt, welche durch Kamera und Post-Produktion fiktionalisiert wird und der Zuschauer, welcher sich selbst fiktionalisiert, in dem er in den Film eintaucht.

Doch warum wollen wir überhaupt in eine feindliche, bedrohliche Welt abtauchen? Neben eher entwicklungsbiologischen Ansätzen (man begibt sich in gefährliche Situationen um den oder die Partner/in zu beeindrucken) gibt es auch noch Ansätze wie von Julian Hanich. Angst durch einen Film zu empfinden beschert uns intensive körperliche Erfahrungen und das in einem modernen Alltag, der zunehmend entkörperlicht ist. “Against the backdrop of a culture of disembodiment, the cinema of fear awakens our slumbering bodies by literally moving them into an awareness of aliveness.”

Hinzu kommt noch, dass die Bedrohung in klassischen Horrorfilmen wie Alien oder Jaws durch etwas Übernatürliches, Übermächtiges symbolisiert wird, was bei vielen Menschen anziehend oder faszinierend wirkt. Angst entsteht häufig aus einer Drohung, dass man etwas Existentielles verliert. Sei es Anerkennung, Mitmenschen oder das eigene Leben. Durch die doppelte Fiktionalisierung und die Wahrnehmung eines Films als kinästhetisches Subjekt, entfällt diese Drohung jedoch. Und ohne die Gefahr etwas zu verlieren, kann sich der Zuschauer dann voll auf das fremdartige, körperliche Empfinden von Angst und das übermächtige Element des Films einlassen.

Wer mehr darüber wissen will kann u. A. hier nachforschen:

Leitner, Florian (2017). Medienhorror. Mediale Angst im Film. Wilhelm Fink. Paderborn

Gertrud Koch “Tun oder so tun als ob? – alternative Strategien des Filmischen”, in: Christiane Voss (Hg.), “Es ist, als ob.” Fiktionalität in Philosophie, Film- und Medienwissenschaft. Fink Verlag, München 2009

Sobchack, Vivian (2004). What My Fingers Knew. The Cinesthic Subject, or Vision in the Flesh. In: Sobchack, Vivian. Carnal Thougts. Embodiement and Moving Image Culture. University of California Press. Berkeley.

Labim

In einem Monat ist es endlich soweit und das internationale Kurzfilmfestival Monstronale findet in Halle statt. Um allen Gästen und Filmemachern das warten etwas zu verkürzen, starten wir heute mit unserer Reihe der Veranstaltungsvorstellung. Jede Woche präsentieren wir euch eine neue Location des Festivals!

Das Labim:

Als kleines Programmkino im Jahr 1992 gegründet, wurde das Labim über die Jahre zu einem besonderen Ort für Filmliebhaber. Vor allem für außergewöhnliche Filme, die nicht in den Massenkinos gezeigt werden, bietet das La Bim eine Spielstätte. So entstand aus dem Gebäude am Töpferplan 3 ein Ort für unabhängige Kulturen und Begegnungen. Die kreative und etwas verspielte Gebäudefassade verkörpert diese Nischenkultur perfekt.

Im Jahr 2010 wurde das Gebäude vom gemeinnützigen Verein Plan 3 übernommen. Dieser setzt sich für den Erhalt und die dauerhafte Nutzung des Labims ein. Regelmäßig organisiert der Plan 3 e.V. eigene Veranstaltungen wie das Kickercafé und bietet aber auch anderen sozialen Projekten Unterstützung an.

Für die Monstronale dient das Labim als Schauplatz für das Themenprogramm „Angst | Fear“ am Freitagabend in dem es um die Angst in Kurzfilmen geht. Ein besonders spannender Aspekt ist, dass die Angst nicht nur ein Element des Films ist, sondern auch den Kinoraum als Ganzes miteinbezieht. Außerdem wird die große Festival-Party am Samstagabend im Labim stattfinden. Dort wollen wir mit allen Filmemachern und -liebhabern zusammen feiern!

Danke an alle Filmemacher!

In nicht mal mehr zwei Monaten startet das Monstronale Filmfestival in Halle. Im Vergleich zum letzten Jahr wird es 2017 drei Wettbewerbsprogramme geben. Dabei handelt es sich um den Internationalen Kurzfilmwettbewerb, den Kinderfilmwettbewerb „Wilde Welten“ und den Dokumentarfilmwettbewerb „Shortdocs“. In den vergangenen Monaten hatten dazu Filmemacher aus aller Welt die Chance, ihre gedrehten Kurzfilme einzureichen. Stolz können wir nun bekannt geben, dass wir mehr als 3.400 Einreichungen aus 116 Ländern erhalten haben.

 Noch einmal ein großes Dankeschön an alle Filmemacher!

                                                                             Quelle: filmfreeway.com

 

 

Licht, Kamera und Action!

Warum Monstronale Festival? Was macht dieses Festival so besonders? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Christian Schunke – der Macher und Leiter des Festivals, im exklusiven Monstronale-Vorbericht 2017 .

Licht steht, Kamera läuft und dann hieß es Action. Christian Schunke stellte sich einigen Fragen, und lieferte dazu die passenden Antworten. Im Kinoambiente trafen sich Filmteam, Interviewer und Christian Schunke für ein Gespräch. Spannend ist vor allem, was den Kurzfilm für Christian Schunke persönlich so besonders macht.

Neben vielen Fragen zum Festival wird auch das diesjährige Festivalthema „Angst|Fear“ näher beleuchtet. Nach ca. einer Stunde war das Interview im Kasten.

Schaut doch am Besten mal selbst rein, viel Spaß!

PS: Bevor wir es vergessen, wir sind jetzt auch auf Twitter vertreten und zwitschern was das Zeug hält. Folgt uns doch!

In der Jubiläumssendung zu Gast

In der vergangenen Woche ist die 50. Sendung von UniTV Halle erschienen. Diesmal mit dabei: Das Monstronale Kurzfilmfestival mit dem Festivalleiter Christian Schunke.

Von allgemeinen Fragen zum Monstronale Kurzfilmfestival, bis hin zu seiner persönlichen Begeisterung für Kurzfilme, Christian Schunke fand auf alle Fragen eine Antwort. Außerdem könnt ihr euch auf einen kleinen Rückblick über das kuratierte Themenprogramm, sowie über einen kleinen Ausblick auf das diesjährige Themenprogramm Angst|Fear, freuen.

Also schaut vor allem ab Minute 15 mal etwas genauer hin, viel Spaß!

Monstermäßige Weihnachten

Kurz vor den Feiertagen melden wir uns noch einmal mit einer kleinen Überraschung! Wer seine Weihnachtsgrüße von unseren kleinen Monstern überbringen lassen möchte, kann sich unsere exklusive Klappkarte herunterladen! Keine Angst, ihr müsst keine Virtuosen im Basteln sein. Unsere kleine Schritt-für-Schritt-Anleitung weist euch den Weg. Alles was ihr braucht sind zwei A4 Blätter (wenn möglich etwas dickeres Papier), eine Schere und ein paar Tropfen Kleber.

Hier die Druckvorlage:

Pop-Up Karte Monstronale01 Pop-Up Karte Monstronale02

 

Anleitung

1.       Vorlagen ausdrucken. Achtet darauf randlos zu drucken, dann müsst ihr weniger schneiden.

2.       Das A4-Blatt teilen und die Monsterchen an der gestrichelten Linie ausschneiden.

3.       Die Karte an der gestrichelten Linie zunächst so falten, dass die bedruckte Seite nach außen zeigt.

4.       Nun die Rechtecke ein-, aber nicht ausschneiden, sodass drei Streifen entstehen.

5.       Die Karte andersherum falten und dabei die zwei Rechtecke nach innen falten.

6.       Beim Aufklappen der Karte sollten euch nun die gefalteten Rechtecke entgegenkommen, wie ein Pop-Up. An diese klebt ihr die Monsterchen mit Kleber oder doppelseitigem Klebeband an. Achtet dabei darauf, dass die Füße nicht über die gestrichelte Linie kommen, sonst werden sie beim Aufklappen abgeknickt.

7.       Zum Schluss klebt ihr noch ein äußeres Blatt als Rückendeckung an.

8.       Weihnachtswünsche nicht vergessen und verschenken! 

 

Das sind wir!

Das Monstronale Festival wird auch in diesem Jahr u. a. von Studenten der Medien- und Kommunikationswissenschaften der Uni Halle organisiert. Wir sind ein junges, bunt gemischtes Team und bringen viele verschiedene, praktische Erfahrungen aus Eventmanagement, Journalismus und Design mit in die Organisation des Festivals ein. Da jeder von uns andere Fähigkeiten und Wünsche mitbringt, verteilen sich die unterschiedlichen Aufgaben auf die Bereiche wie PR, Filmdisposition, Grafik, usw., sodass alle ihre Stärken voll ausspielen können. Die Projektleitung übernimmt wie auch in den Jahren zuvor Christian Schunke. Neu an seiner Seite: Anja Richter. Was wir alle gemeinsam haben, ist unser Interesse an guten Filmen, an denen wir euch auch in diesem Jahr wieder teilhaben lassen wollen.

Neben der Suche nach Beiträgen haben natürlich auch die organisatorischen Arbeiten begonnen. Die Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange. Uns liegen schon viele Einreichungen für die Wettbewerbe vor, die nur darauf warten gesichtet zu werden und auch für das diesjährige Thema Angst | Fear haben wir sehr interessante Kurzfilme gefunden, auf die ihr euch im April freuen könnt.

Unser Team (von hinten links):

Christian Schunke (Festivaldirektor), Anja Richter (Projektmanagement), Eda Irem Kartal (Rahmenprogramm), Maximilian Franke (PR), Jonas Präger (Website), Marius Dahmen (Social Media), Hai Nam Nguyen (Social Media), Dirk Prager (Filmdispo und Vorbericht), Johanna Steuber (Kinderfestival und Projektassistenz), Adela Asavei (Filmsdispo und Kinderfestival), Susann Dohmhardt (Filmdispo), Chiara Swenson (Grafik und Kinderfestival), Victoria Born (Kinderfestival und Social Media)

Weitere: Hannah Luisa Boose (Kinderfestival Management),  Arthur Baum (Filmdispo)

Call for Entries 2017

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Zum fünften Mal veranstaltet der Plan 3 e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Halle, dem Puschkino, Werkleitz und der MLU Halle-Wittenberg vom 20.-23. April 2017 das internationale Monstronale Festival, diesmal mit dem Themenprogramm „Angst | Fear“.

Für den internationalen Wettbewerb und den Kinderfilmwettbewerb werden Filme (Animations-, Realfilm) bis maximal 15 Minuten Länge gesucht. Das Thema der Arbeiten ist frei. Die Wettbewerbe richten sich vor allem an Filmemacher und Regisseure, die sich als Forscher auf die Suche nach dem „Anderen“ begeben.

Die Gewinnerfilme werden an den Wettbewerbstagen durch eine Fachjury ermittelt, die aus Persönlichkeiten der regionalen Film- und Medienbranche sowie Medienwissenschaft besteht.
Die Preise für die besten internationalen Kurzfilme sind dabei mit 900,- € / 700,- € / 500,- €, beim Kinderfilmwettbewerb ist der Hauptpreis mit 500,-€ und der Publikumspreis mit 300,-€ dotiert.

Bis zum 31. Januar 2017 können Filmeinreichungen per Email, online Formular auf der Webseite, digitalem Upload (z.B. Vimeo, wetransfer) und per Post erfolgen unter:

submission@monstronale.org  

Monstronale Festival | Plan3 e.V. | Töpferplan 3 | 06108 Halle/S.

Einsendeschluss ist der 31.01.2017

Zwingender Bestandteil der Einreichung ist das ausgefüllte und unterschriebene Anmeldeformular:
https://monstronale.org/einreichungen_submission
Für Fragen und Anregungen nutzen sie bitte die Internetseite oder info@monstronale.org

Download Call for Entries: deutsch | english

 

Neuer Wettbewerb Shortdocs – Call for Entries 2017

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In 2017 wird zum ersten Mal der internationale Wettbewerb Shortdocs stattfinden.

Für den internationalen Wettbewerb Shortdocs werden Dokumentarfilme (Animations-, Realfilm) bis maximal 15 Minuten Länge gesucht. Das Thema der Arbeiten ist frei.

Der erste Preis wird am Wettbewerbstag (20.April) durch eine Fachjury ermittelt, die aus Persönlichkeiten der regionalen Film- und Medienbranche sowie Medienwissenschaft besteht. Zudem wählt das Publikum einen Film für den Publikumspreis.

Die Preisgelder betragen 600,- € für den Hauptpreis und 400,- € für den Publikumspreis.

Bis zum 31. Januar 2017 können Filmeinreichungen per Email, online Formular auf der Webseite, digitalem Upload (z.B. Vimeo, wetransfer) und per Post erfolgen unter:

submission@monstronale.org

Monstronale Festival | Plan3 e.V. | Töpferplan 3 | 06108 Halle/S.

Einsendeschluss ist der 31.01.2017

Zwingender Bestandteil der Einreichung ist das ausgefüllte und unterschriebene Anmeldeformular:
https://monstronale.org/einreichungen_submission
Für Fragen und Anregungen nutzen sie bitte die Internetseite oder info@monstronale.org

Thema 2017

Nach langen Überlegungen was das Thema des nächsten Festivals sein könnte, haben wir uns für das Thema Angst entschieden.

Angst ist nicht nur das auslösende Moment in Horrorfilmproduktionen. Da sie, wie auch der
Zorn, äußerst facettenreich in der filmischen Erzählung auftaucht, wird sie in der Programmierung des Festivals aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Man kann sicherlich den Bezug zum Zuschauer gerade an dieser Emotion im filmischen Kontext festmachen, denn „Angst“ wird vor allem durch das Spiel mit den Ängsten der Zuschauer erzeugt. Wobei erzählte Angst als Motivator der Protagonisten auf der Leinwand
nicht gleichzusetzen ist mit der eben erwähnten erzeugten Angst des Zuschauers um sich selbst, oder um die Schauspieler auf der Leinwand.

Filmhistorisch kann bei der Angst in den Zuschauerreihen die erste Vorführung der Gebrüder Lumiere „Einfahrt eines Zuges“als Beispiel dienen, versetzte der fast auf sie zurollende Zug sie doch in Angst und Schrecken. Allerdings ist mit der Emanzipation des Zuschauers im Kinoraum auch diese Illusion weitestgehend verschwunden. Lediglich in den heute verstärkt produzierten 3D Filmen sind solche Schreckmomente eine gängige Version den Zuschauer direkt in Angst zu versetzen, mit einem scheinbar aus dem Bild fliegenden Beil zum Beispiel. Das Thema bietet allerdings mehr als solcherlei Jahrmarktzauber.

Es sind die Momente von Entscheidungen der Figuren, die Angst des Zuschauers vor der falschen Entscheidung in der Filmhandlung, das Kribbeln der Spannung, wenn sich die Handlung doch noch überraschend aus dem vom Zuschauer erwarteten Moment in eine gänzlich andere Richtung bewegt. Alfred Hitchcock hat es wie kein zweiter geschafft diese Augenblicke filmisch zu erfassen und zu inszenieren. Erinnert sei hier an „Vertigo“ oder „Die Vögel“. Auch Stanley Kubrick ist mit „The Shining“ ein Werk gelungen, das uns erschauern lässt obwohl uns als Zuschauer doch nichts passieren kann…oder?

Ein Thema, das in jedem Fall die Mühe lohnt, auch im Kurzfilm untersucht zu werden.